Abschied von Dagmar Klatten

Vor über 25 Jahren beschlossen ein paar Hamburger Frauen, Geld für das gerade gegründete Drogentherapiezentrum COME IN zu sammeln; mit einer Kunstauktion im HAUS FÜR KUNST UND HANDWERK. Wir waren noch kein Verein, hießen noch nicht LICHT IM SCHATTEN und hatten eigentlich keine Ahnung, wie man so etwas macht. Aber jede kannte eine, die eine kannte...

Ich kannte Dagmar. Sie war Malerin, eine herausragende sogar, wie alle überwältigt bei einem Atelierbesuch feststellten und sie kannte Künstler, Galeristen, Sammler. Ein Glücksfall für uns. Dagmar wurde ein ganz großes Licht! Sie hat viele Bilder akquiriert, sie war ein Genie im Kartenverkauf für unsere Veranstaltungen und sie war sozusagen unsere Bühnenbildnerin.

Im Haus für Kunst und Handwerk hatte Dagmar im Lichthof eine 4 m lange Fahne mit dem sonnengelben Schriftzug COME IN gehängt. Wir waren begeistert, nur Dagmar noch nicht zufrieden: "links und rechts müssten grüne Bäume stehen, richtige, große Bäume, als Symbol für das Leben, dass das COME IN den Kindern zurückgibt." "Eine schöne Idee, aber doch überhaupt nicht mehr machbar." Es war 17 Uhr, wir waren mit der Hängung der Kunstwerke gerade am Ende unserer Nerven und am nächsten Mittag um 14:00 Uhr sollte Besichtigung sein. Dagmar fand uns kleinmütig. Am nächsten Mittag gegen 12:00 Uhr versperrte ein Lastwagen die "Lange Reihe", über dessen Ladefläche hinaus die Spitzen zweier Birken wippten. Als die Kübel hereingeschleppt wurden – die Bäume sahen wirklich fantastisch aus – hatten wir alle Tränen in den Augen. Wenn sich Dagmar etwas in den Kopf gesetzt hatte...

Liebe Dagmar, Du leuchtest - unvergänglich in Deinen Bildern und in unserer Erinnerung.

Astrid Bassauer